Darum geht es:

 

Die Fakten :


Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim baut  im Stadtgebiet Hannover eine Impfstoff-Versuchsanstalt für Schweine. Die Anlage ist nach Angaben des Betreibers ausgelegt für die Haltung von 1.000 Schweinen, deren Lebenserwartung ein paar Monate betragen wird. Es werden dort Versuche an den Tieren bis zur biologischen Sicherheitsstufe 3 erfolgen.  Die Grundfläche des Hochsicherheitsstalls entspricht etwa der Größe eines Fußballfeldes. Nach aktuellen Planungsunterlagen der Stadt Hannover soll die Belegung der Anlage auf 200 Großvieheinheiten "beschränkt" werden. Das bedeutet eine maximal mögliche Belegung mit 4.000 Jungschweinen von einem Durchschnittsgewicht von 25 kg. Die Tiere werden mit Krankheitserregern infiziert und nach Abschluss der Experimente getötet, in Lauge aufgelöst und in flüssiger Form entsorgt.  Beabsichtigt ist im Rahmen einer zweiten Ausbaustufe auch die Forschung an Rindern, sodass sich die 200 Großvieheinheiten dann auf Schweine und Rinder verteilen würden. Nach dem Bebauungsplan Nr. 1708 ist ein riesiger fensterloser Schweinebunker zulässig.

Das wäre dann der größte dauerhaft verseuchte Schweinestall der Welt in einem Wohngebiet.

Die Anlage entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen Gebäude der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) an der Bemeroder Straße im Stadtteil Kirchrode. Die nahe gelegene Wohnbebauung - sie beginnt in einer Entfernung von ca. 200 Meter Luftlinie (Aspelweg) - befindet sich im Dunstkreis der Anlage. In noch geringerem Abstand von nur 35 m befinden sich die Häuser der Stiftung Lebenshilfe. Deren behinderte Bewohner sollen jetzt gegen Schwerstbehinderte ausgetauscht werden !
 

 


Die Argumente :

Pro: Die Ansiedlung des “Forschungszentrums” bedeutet eine Stärkung des  Wissenschaftsstandortes Hannover.
Contra: Das ist richtig, deshalb begrüßt auch die Bürgerinitiative das Vorhaben von Boehringer am Bünteweg Verwaltung und Labor zu bauen, fordert aber die Auslagerung der Riesenviehställe.

Pro: Das Projekt schafft Arbeitsplätze und bringt über die  Gewerbesteuer Geld in Hannovers Kasse.
Contra:. Das Projekt schafft Arbeitsplätze und würde auch Arbeitsplätze schaffen, wenn die Stallungen ausgelagert würden. Die Fa. Boehringer wird keine Gewerbesteuer zahlen, da es ein Entwicklungsbetrieb ist und keine Produktion .

Pro: Der Standort in unmittelbarer Nähe der TiHo ist für Boehringer optimal und bringe Synergieeffekte. Wissenschaftler von Boehringer könnten sich im Gespräch mit Wissenschaftlern der TiHo austauschen, teuere Geräte könnten gemeinsam benutzt werde.
Contra: Stimmt – aber das wäre auch so, wenn den Bedenken der Bürger Rechnung getragen würde und die Tierställe ausgegliedert würden.

Pro: Das Labor und die Stallungen sind sicher und stellen keine Bedrohung für die Bevölkerung dar.
Contra: Alle Beteiligten räumen ein, dass es eine 100% Sicherheit nicht gibt. Es kann im Störfall bei Austritt von Erregern  eine große Gefährdung entstehen, wenn man berücksichtig, dass dort auch an Erregern geforscht wird, die auch den Menschen infizieren können - z.B. die Schweinegrippe H1N1, MRSA usw.

Pro: Versuche in dieser Gefahrenklasse werden von der TiHo und anderen Forschungseinrichtungen seit Jahrzehnten im Stadtgebiet durchgeführt, ohne dass etwas passiert ist.
Contra: Das ist richtig - die TiHo macht hoch qualifizierte Forschung z. B. an der Schweinepest - weltweit anerkannt - aber hält für Untersuchungen am Labor nur wenige Tiere, bei Schweinen z.B. 20-30 Versuchstiere. Die großen Tierställe der TiHo sind alle in ländlichen Gebieten.

 Das bewährte Konzept der TiHo könnte auch von der Fa. Boehringer übernommen werden.


Die Tierställe stellen das große Problem des Boehringerprojektes dar und sind die Ursache des Protestes. Es ist durchaus möglich ein Labor so zu isolieren, dass so gut wie keine Erreger austreten – weil dort nur relativ geringe Luftmengen intensiv gefiltert werden müssen.
Das ist in einem fußballfeldgroßen Schweinestall wie Boehringer ihn plant, nicht möglich - dort sind Tausende infizierterTiere untergebracht, Krankheitserreger sind überall, es müssen riesige Luftmengen zu- und abgeführt werden. Keine Filtertechnik  ist in der Lage bei diesen Luftmengen Geruchspartikel, Schadstoffe und Keime oder Viren zuverlässig herauszufiltern. Deshalb ist Abstand zur Wohnbebauung, wie ihn die Bürgerinitiative fordert, die bestmögliche Sicherheit für die Bevölkerung. Nicht ohne Grund ist das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI) auf der Ostseeinsel Riems angesiedelt.

Pro: OB Stephan Weil sagt: Das Gewerbeaufsichtsamt wird den Antrag auf Genehmigung prüfen und wenn das Amt zu dem Schluss kommt: Es ist sicher, dann kann es überall gebaut werden.
Contra: Die Gewerbeaufsicht kann nur nach  Gesetzen, bestehenden technischen Normen und Richtlinien  über die Zulassung entscheiden – es gibt aber keine Richtlinien und technische Normen zu dieser Riesenforschungseinrichtung, sie ist weltweit einzigartig und stellt ein Experiment in Hannover an  Bevölkerung und  Natur in einem Wohngebiet dar.

Pro: Die Einwendungen der Bürger sind unberechtigt, alle vorliegenden Gutachten, die im Auftrag von Boehringer erstellt wurden, bescheinigen dem Projekt die Unbedenklichkeit.
Contra: Ein von der BI immer wieder gefordertes  Sicherheitsgutachten wurde von Boehringer und der Stadt Hannover seltsamerweise verweigert.

Das von der Bürgerinitiative beauftrage Gutachten eines neutralen Gutachters vom Okt. 2009 kommt allerdings zu deutlich anderen Ergebnissen. 


Klaus Neudahm